
Echos
Vertraute Welten,
neu erzählt
Digitale Fanart, persönliche Interpretation, visuelles Storytelling
Manche Geschichten enden nicht mit dem Abspann, der letzten Seite oder dem Ausschalten der Konsole. Eine Szene bleibt im Gedächtnis. Eine Figur wirft neue Fragen auf. Eine fantastische Welt klingt noch lange nach.
Echo greift diesen Nachhall auf. In meinen digitalen Fanart-Illustrationen interpretiere ich Momente aus Videospielen, Filmen, Serien, Büchern und Comics auf meine eigene Weise – mit neuen Blickwinkeln, zusätzlichen Details und kleinen Geschichten, die über das bekannte Motiv hinausführen.
Geisterjagd
Thomas Weckerle · 2026
Digital Art
Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich mühsam durch den dichten Nebel, während ein fahles Licht alles in geheimnisvolle Schatten taucht. Die Nacht weicht nur langsam dem neuen Tag und hält noch verborgen, was nicht gesehen werden will. Die Kälte der Nacht liegt noch immer schwer auf meinen Schultern und in den Gliedern. Regungslos stehe ich an meinem Lagerfeuer und beobachte den schmalen Pfad, der sich vor mir in die Unendlichkeit der Ferne verliert. Das Feuer knistert leise und spendet mir die letzte Wärme. Es lohnt sich nicht, noch einmal ein Holz nachzulegen. Die Laternen leuchten schwarz in der Ferne und markieren den Weg, der ohne sie längst vom Nebel verschluckt wäre. Es wirkt wie ein friedlicher Morgen. Doch ich bin nicht allein. Wie ein Geist lauert der Feind verborgen im Schatten. Ich lasse ihn im Glauben, dass ich seine Anwesenheit noch nicht bemerkt habe.
Er hat seine Position geschickt gewählt. Der Wind kommt aus meinem Rücken und trägt jedes Geräusch, jeden Geruch und selbst den schwachen Rauch meines Feuers in seine Richtung. Weder das Rascheln seiner Kleidung noch der verräterische Geruch seines Körpers erreichen mich. Wie es scheint, ein erfahrener Jäger, zweifellos. Doch er übersieht etwas Entscheidendes. Die Natur lässt sich nicht so leicht täuschen. Ein mir vertrautes Vögelchen hat längst seine Position verraten. Ich lasse meinen Blick weiterhin scheinbar gedankenverloren über die Landschaft schweifen. Keine hastige Bewegung darf verraten, dass ich längst auf einen Angriff vorbereitet bin. Was mich beruhigt, ist, dass mein Schwert griffbereit an meiner Seite ruht.
Noch immer weiß ich nicht, wie viele Gegner dort draußen auf mich warten. Ist es tatsächlich nur einer? Oder beobachten mich bereits weitere Augen aus dem Nebel? Vielleicht ist der Mensch, dessen Anwesenheit die Fauna bereits verraten hat, lediglich ein Köder. Ein einzelner Krieger, der mich aus meiner sicheren Position locken soll. Ich betrachte die Fackeln entlang des Weges. Ihr Licht flackert unruhig, und ihre Schatten tanzen zwischen den Bäumen. Jeder von ihnen könnte einen weiteren Gegner verbergen.
Ein etwas stärkerer Windstoß streicht von hinten um meine Rüstung. Die kalte Morgenluft findet mühelos jene Stellen, die weder durch Metall noch durch Leder geschützt sind. Ein leichter Schauer läuft mir über den Rücken. Ich weiß nur zu gut, wie wenig ein einziger gezielter Pfeil braucht, um selbst den größten Krieger zu Fall zu bringen. Ein Gefühl, das meine Sinne schärft und gleichzeitig jeden Augenblick unerträglich in die Länge zieht. Langsam senke ich meinen Blick zum Lagerfeuer und strecke meine Hände ein letztes Mal der Wärme entgegen. Ein paar Funken steigen auf und verschwinden im Morgennebel. Hinter mir knackt ein Ast. Zu weit entfernt, um eine unmittelbare Bedrohung zu sein, doch nah genug, um meine Aufmerksamkeit zu wecken.
Dann ertönt aus der Dunkelheit ein kurzer Warnruf eines Vogels. Diesmal aber aus einer anderen Richtung. Ich verharre. Verlässt mein Gegner seine Position? Oder sind es tatsächlich mehrere? Ich wende mich nicht um. Noch nicht. Stattdessen schiebe ich mit meinem Fuß ein brennendes Holzscheit tiefer in die Glut und warte. Mein Gegner soll ruhig glauben, er könne mich überraschen. Denn wer sich seiner Beute zu sicher ist, vergisst manchmal, dass er selbst längst zum Gejagten geworden ist. Meine Finger gleiten unauffällig zum Griff meines Schwertes. Ich spüre einen Hauch im Nacken und ziehe meine Waffe.


Gottlos
Thomas Weckerle · 2026
Digital Art
Ich stehe vor der nächsten gewaltigen Höhle, deren Ausmaße sich meinen Blicken entziehen. Ist dies ein Lager oder ein Verlies? Über mir spannen sich hölzerne Stege zwischen den steilen Felswänden, während tief unter meinen Füßen dunkles Wasser gegen die kahlen Felsen schlägt. Niemand ist zu sehen. Nur aus der Ferne dringen vereinzelte Stimmen zu mir, deren Worte sich im endlos scheinenden Echo der Tiefe verlieren. Brennende Fackeln tauchen die verlassenen Wege in ein warmes, aber bedrohliches Licht. Hoch über mir durchbrechen schwache Strahlen der Sonne. Das Licht fällt verzweifelt und ohne Halt in die erbarmungslose Tiefe und lässt mich erahnen, wie weit ich mich bereits unter der Erde befinde. Die mächtigen Konstruktionen und von Hand erschaffenen Bauwerke wirken, als wären sie nicht von dieser Welt. Vielleicht errichteten einst größere und stärkere Wesen diesen Ort. Wesen, die wir heute nur noch als Götter kennen. Doch selbst ihre Bauwerke scheinen nicht für die Ewigkeit bestimmt zu sein.
Vorsichtig trete ich näher. Wurde dieser Ort gerade erst verlassen oder erwartet man bereits meine Ankunft? Die Fackeln brennen, als hätte sie jemand vor wenigen Augenblicken entzündet. Doch die morschen Holzbalken, zerrissenen Seile und zerbrochenen Geländer erzählen von einer anderen Zeit. Vielleicht ist dies der Schauplatz einer längst vergessenen Schlacht. Ich stelle mir vor, wie hier einst Krieger aufeinanderprallen, Schwerter auf Schilde treffen und die Schreie der Verwundeten durch die Höhlen hallen. Möglicherweise liegen hier noch immer wertvolle Schätze auf dem Boden verstreut. Zurückgelassen von jenen, die überstürzt fliehen mussten, und von denen, die ihre Reichtümer nicht mehr mit in die andere Welt nehmen konnten. Ein leises Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. War es ein Schritt? Ein Stein, der sich aus der Felswand gelöst hat? Oder lediglich das Knarren der alten Brückenkonstruktion? Ich halte inne und lausche. Die Stimmen sind verstummt.
Mein Blick wandert über die zahlreichen Wege, die sich wie ein gewaltiges Labyrinth durch die Höhle ziehen. Jede Brücke führt zur nächsten Ungewissheit, jeder in Fels gehauene Pfad verschwindet in einer unbekannten Dunkelheit. Welcher Weg ist der richtige? Und welcher führt mich geradewegs in mein Verderben? Ein falscher Schritt könnte genügen, um die morschen Planken unter meinen Füßen zerbersten zu lassen. Gleichzeitig behalte ich das dunkle Wasser in der Tiefe im Auge. Still und fast unbemerkt könnten feindliche Boote über verborgene Wasserwege auftauchen und aus dem Rückhalt angreifen. Vielleicht warten bereits ganze Horden hinter der nächsten Ecke auf mich. Der Eingang liegt längst hinter mir. Ich bin zu weit gekommen, um jetzt noch umzukehren. Die Faszination des Ortes und der Ruhe vor dem nächsten Kampf behagt mir, und doch möchte ich nicht hier sein.
Ich senke meinen Blick auf die beiden Klingen in meinen Händen. Ich spüre ihr Gewicht, ihre Kraft und die unzähligen Kämpfe, die wir gemeinsam überstanden haben. Und dennoch überkommt mich ein seltsames Gefühl. Als würde ich meine eigenen Bewegungen nicht vollständig beherrschen. Als sähe ich mich selbst aus weiter Ferne und müsste über das Schicksal eines anderen entscheiden. Ich führe diesen Krieger, teile seine Entschlossenheit und fürchte zugleich, ihn durch eine einzige falsche Entscheidung ins Verderben zu stürzen. Unsichtbare Ketten scheinen uns miteinander zu verbinden. Wer von uns trägt die Verantwortung? Derjenige, der die Klingen führt, oder derjenige, der entscheidet, wann sie zuschlagen? Doch manchmal ist nicht der Weg das größte Geheimnis, sondern die Frage, wer ihn für uns bestimmt. Gewissheit erlange ich nur, wenn ich weitergehe. Ich sammle meine Kräfte und betrete die Planken vor mir.
Ereignishorizont
Thomas Weckerle · 2026
Digital Art
Hoch über den dichten Wolken jagte das Flugobjekt durch den grauen Himmel. Seine schlanke Gestalt erinnerte an einen majestätischen Phönix, doch jeder Zentimeter seines Körpers bestand aus präzise gefertigten Metallplatten, ineinandergreifenden Zahnrädern, fein verlegten Leitungen und starken Motoren. Zwischen den Panzersegmenten pulsierten rote Schläuche, durch die Energie wie glühendes Blut floss. Seine gewaltigen Flügel bestanden aus hauchdünnen, rot schimmernden Folien, die Sonnenlicht einfingen und in elektrische Energie verwandelten. Normalerweise genügte das, um ihn tagelang in der Luft zu halten. Doch im Moment verdeckten schwere Wolken den Himmel. Seine Energiereserven sanken unaufhaltsam, während er mit atemberaubender Geschwindigkeit über das endlose Meer raste. Fast wirkte es, als wäre er auf der Flucht. Dabei verfolgte er eine geheime Mission, deren Bedeutung selbst seine höchsten Routinen nicht vollständig preisgaben. Nur eines wusste er sicher: Sein Ziel musste um jeden Preis erreicht werden.
Vor ihm türmten sich schwarze Gewitterwolken auf. Ein Ausweichen hätte wertvolle Zeit gekostet, also berechnete sein Navigationssystem den direkten Weg mitten hindurch. Kaum hatte er die ersten Wolkenschichten durchbrochen, zuckten Blitze um ihn herum. Elektrostatische Entladungen störten seine Sensoren, Warnmeldungen überschlugen sich in seinem Sichtfeld. Plötzlich traf ihn ein gewaltiger Blitz direkt in die Brust. Für einen Sekundenbruchteil erstarrten sämtliche Systeme. Die roten Lichtadern an seinem Körper erloschen, seine Flügel verloren ihre Spannung und klappten kraftlos zusammen. Lautlos fiel der metallene Vogel aus den Wolken, immer schneller, immer tiefer. Unter ihm wartete nur das dunkle Meer. Erst wenige Meter über der Wasseroberfläche flackerte sein Notfallsystem auf. Ein automatischer Neustart aktivierte sich. Seine Augen leuchteten erneut rot auf, die Flügel entfalteten sich ruckartig und mit letzter Kraft fing er den Sturz ab. Knapp über den Wellen stabilisierte sich sein Flug, während sämtliche Systeme neu initialisiert wurden.
Der Neustart verlief jedoch nicht fehlerfrei. Mehrere Speicherchips waren durch den Blitz irreparabel beschädigt worden. Dateien fehlten, Navigationsdaten waren verschwunden und selbst der eigentliche Missionsauftrag existierte nicht mehr. Verwirrt kreiste der Roboter über dem Meer. Seine Algorithmen suchten verzweifelt nach einem Ziel, fanden jedoch nur beschädigte Datenblöcke und leere Speicherbereiche. Erst nach mehreren Diagnosezyklen entdeckte er, dass der Kurzzeitspeicher noch intakt war. Die Aufzeichnungen der letzten Minuten hatten den Stromausfall überstanden. Darin erkannte er seine ursprüngliche Flugroute und berechnete, dass die größte Wahrscheinlichkeit für Antworten dort lag, wo seine Reise begonnen hatte. Ohne zu zögern drehte er um und flog gegen den Wind zurück. Die Wolkendecke wurde allmählich dünner, einzelne Sonnenstrahlen luden seine Flügel langsam wieder auf und die roten Energieleitungen begannen kräftiger zu pulsieren.
Schließlich erschien am Horizont Land. Zunächst erkannte der Roboter nur dunkle Rauchwolken, die in den Himmel stiegen. Wenig später wurde ein langer Strand sichtbar, übersät mit Trümmern aus Metall, Holz und zerbrochenen Maschinen. Er leitete den Sinkflug ein und glitt lautlos näher heran. Seine Sensoren registrierten plötzlich mehrere Menschen. Kaum bemerkten sie den metallenen Vogel am Himmel, rannten sie panisch auseinander. Im selben Augenblick heulten Sirenen über die Küste, während weitere Rauchschwaden zwischen den Ruinen aufstiegen. Der Roboter verlangsamte seinen Flug und ließ seinen Blick über die Verwüstung schweifen. Seine beschädigten Speicher lieferten keine Antworten. War hier eine Schlacht gewesen? Ein Unfall? Oder hatte seine vergessene Mission etwas mit dieser Katastrophe zu tun? Für einen kurzen Moment flackerte ein einzelnes Bild im Kurzzeitspeicher auf – ein Warnsignal, gefolgt von einem unbekannten Zielobjekt. Dann verschwand auch diese letzte Erinnerung im Rauschen der defekten Speicher. Ratlos schwebte der metallene Phönix über dem Strand und stellte sich zum ersten Mal eine Frage, die keine Maschine jemals hätte stellen sollen: War ich das?

Aus Begeisterung wird ein neues Bild
Meine Arbeiten entstehen am iPad oder mit dem Grafiktablet am Rechner. Dabei geht es mir nicht darum, eine Vorlage einfach nachzuzeichnen. Mich interessiert, was zwischen den bekannten Szenen liegen könnte: ein stiller Augenblick, eine andere Perspektive oder eine Geschichte, die bisher nur angedeutet wurde.
Echo folgt keinem festen Veröffentlichungsplan. Ein neues Bild entsteht, wenn mich eine Figur, eine Szene oder eine besondere Atmosphäre nicht mehr loslässt. Jedes Motiv ist deshalb auch ein persönlicher Blick auf eine vertraute Welt.
Projektübersicht
Projekttitel:
Echos
– Digitale Illustration am iPad, vor allem mit Procreate.
– Ausarbeitung am Rechner mit Grafiktablet und professioneller Bildsoftware.
– Malerische, illustrative oder grafische Umsetzung – abhängig von Motiv und Stimmung.
– Fokus auf Atmosphäre, Licht, Perspektive und erzählerische Details.
– Eigene Bildidee statt reinem Nachzeichnen vorhandener Vorlagen.
Projektgedanke
Echo bezeichnet den Nachhall einer Geschichte. Eine Szene, eine Figur oder eine Atmosphäre bleibt im Kopf, löst neue Bilder aus und wird in der eigenen Vorstellung weitergeführt. Nicht das bloße Wiederholen eines bekannten Motivs steht im Mittelpunkt, sondern der eigene Blick darauf: Was geschieht davor, danach oder außerhalb des sichtbaren Augenblicks?
Hinweis zu den Werken
Die gezeigten Arbeiten sind unabhängige künstlerische Interpretationen und stehen in keiner offiziellen Verbindung zu den jeweiligen Rechteinhabern. Genannte Namen, Figuren und Marken
dienen ausschließlich der Einordnung der dargestellten Inspirationen und verbleiben bei ihren jeweiligen Eigentümern.




